von Markus Gehring
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3. April 2025
Ich möchte Euch alle heute zu unserer Mahnwache begrüßen und Euch und Ihnen für Ihre Treue danken, jeden Donnerstag – seit inzwischen einem Dreivierteljahr – hier zu sein und ein Zeichen zu setzen für die Befreiung der Geiseln, gegen jeden Antisemitismus und auch ein Zeichen der Solidarität mit dem einzigen jüdischen Staat weltweit, und zwar unabhängig von der jeweiligen Regierung. Israel als sichere Heimstätte für Jüdinnen und Juden, als Lebensversicherung, das war die Idee von Theodor Herzl, dem geistigen Vater, dessen Vision ein demokratischer, säkularer, liberaler jüdischer Staat war. Der Holocaust hatte die Notwendigkeit dieser Sicherheit auf grausame Weise gezeigt und seine Gründung beschleunigt. Noch in der Nacht nach seiner Proklamation wurde Israel von 5 arabischen Nachbarn überfallen. Ihm folgten zahlreiche Kriege. Kurz: Israel kennt keinen Frieden. Im Mai feiern wir seinen 77. Geburtstag und ein Friede ist weiterhin nicht in Sicht. Doch was am 07. Oktober 2023 geschah, übertrifft jede Horrorvorstellung. Ein Massaker an Zivilist*innen, an Jugendlichen, Männern, Frauen, Alten, Kindern, ja sogar Babys und Ungeborenen, kurz: an allen jüdischen oder jüdisch gedachten Menschen. Es war der größte Massenmord an Jüdinnen und Juden seit der Schoah und bei vielen Israelis wird dies Ereignis inzwischen als Holocaust bezeichnet. Das ist genozidal; das ist eliminatorischer Antisemitismus in seiner reinsten Form. Das ist kein Freiheitskampf und schon gar kein Aufbegehren oder Kritik am Staat Israel. Und die entsetzlichen Gräueltaten, die kaum auszuhalten sind, geköpfte Babys, gelynchte junge Menschen, die fröhlich ein Friedensfest feierten, einige mit Palästinensertüchern geschmückt als Zeichen der Solidarität, entführte Menschen als Trophäen zur Schau gestellt, gequält, gedemütigt, vergewaltigt, und Peiniger, die sich an ihren Qualen ergötzen. Und diese Taten waren nicht die Exzesse Einzelner, nein, es waren die Taten tausender Menschen, die ihr ganzes Leben lang mit Hass indoktriniert wurden. Menschen, die aufgefordert waren, ihre schlimmsten Hassfantasien auszuleben, und zwar organisiert, befehligt, gesteuert und gefeiert von der Hamas mit Unterstützung des Iran. Mir ist es wichtig, dies noch einmal zu erwähnen, um das, was seither geschah zu kontextualisieren: Etwas mehr als eine Woche ist es her, dass Israel seine militärischen Operationen gegen die Hamas im Gazastreifen wieder aufgenommen hat, nachdem es von Gaza, vom Jemen und vom Libanon aus wieder beschossen wurde. Und schon ist alles wieder beim Alten: Die UNO verurteilt Israel, ein großer Teil der Medien verbreitet wieder Hamas-Propagandazahlen und bezichtigt Israel, einen Vernichtungskrieg gegen die palästinensische Bevölkerung zu führen. Die tatsächlichen Livestreams aus der Zeit des Waffenstillstands, in denen sich Hamas-Terroristen ihrer Verbrechen brüsteten, das von ihnen verantwortete Leid im Gazastreifen als großen Triumph feierten und israelische Geiseln in obszönen Inszenierungen zur Schau stellten, waren bemerkenswert schnell wieder vergessen und kaum jemand scheint sich an dem üblen Schauspiel zu stoßen, das über die Bühne ging, als der Waffenstillstand zu Ende war. Der aus dem Gazastreifen geflüchtete Hamas-Gegner Hamza Howidy fasste es in einem Facebook-Posting treffend zusammen: »Noch vor wenigen Wochen, während der Geiselbefreiungen, veranstalteten sie große Militärparaden, marschierten in voller Uniform, die Waffen gut sichtbar, und feierten, als hätten sie den Sieg errungen. Sie wollten gesehen werden, Stärke ausstrahlen, da sie wussten, dass sie unter dem Waffenstillstand in Sicherheit waren. Sie genossen die Aufmerksamkeit und führten ihre Macht vor den Kameras vor. Aber jetzt? Weg. Dieselben Kämpfer, die sich gerade noch am helllichten Tag brüsteten, sind in der Bevölkerung verschwunden. Die Uniformen sind abgelegt, die Waffen versteckt, und wieder einmal sind es die einfachen Menschen im Gazastreifen, die den Folgen des Kriegs ausgesetzt sind, während die Hamas-Führer wieder in ihre Tunnel kriechen, sicher vor der Zerstörung, die sie verursacht haben. Das ist das Muster: Provozieren, eskalieren und dann verschwinden. Sie entfachen einen Krieg in dem Wissen, dass die Zivilbevölkerung die Kosten tragen wird, und verschwinden dann, wenn der wahre Preis fällig wird.« Und wer kein Zivilist ist, wird dank williger Helfer einfach zu einem gemacht, um Israel an den Pranger zu stellen. So etwa Hossam Shabat, der angeblich getötet worden sei, bloß weil er Al-Jazeera-Journalist war. Dass dieser »Journalist« nicht nur den gesamten Krieg über Lügen in die Welt setzte, und nicht nur »Journalist« war, sondern Kämpfer der Terrororganisation somit ein völlig legitimes militärisches Ziel war, das wird von in der Berichterstattung einfach unterschlagen. Inzwischen machen Nachrichten neue Hoffnung von Tausenden Menschen, die im Gazastreifen auf die Straßen gehen, um mit Parolen wie »Raus mit der Hamas« und »Weg mit Al-Jazeera« ein Ende der Unterdrückung durch die Terrororganisation fordern. Man kann den Mut der Demonstrant*innen nicht hoch genug werten und sie genießen unsere volle Solidarität. Wir haben unser Mitgefühl für die Palästinenser*innen immer zum Ausdruck gebracht und ihnen unsere Unterstützung zugesichert, wenn sie sich gegen die Hamas stellen, die sei ebenso zu Opfern macht, wie Israel und Jüdinnen und Juden. Ich möchte aber die Rolle der israelischen Regierung nicht unerwähnt lassen, die nicht das Schicksal der Geiseln im Blick hat, sondern ihr eigenes Überleben. Mit der Entlassung des Chefs des Inlandgeheimdienstes Ronen Bar, der eine Untersuchungskommission zu den Versäumnissen des 7.Oktobers einrichten wollte und der angekündigten Entlassung der Generalstaatsanwältin Gali Baharav-Miara, die sich vor Bar stellt, führt er die von ihm initiierte Justizreform fort, die die israelische Demokratie gefährdet. Oliver Vrankovic, deutsch-israelischen Aktivist, sagt dazu: „Die von ihren Umsturzplänen besoffene Regierung um den Premier mit den Katar Connections in seinem Büro geht aufs Ganze und nimmt den Schimmer der Hoffnung auf bessere Zeiten inmitten des anhaltenden Alptraums. Zehntausende israelische Patrioten demonstrieren seit einer Woche jeden Tag für Demokratie und Rechtsstaat und für die Freilassung der Geiseln.“ Heute Abend wird es wieder eine große Demonstration in Tel Aviv geben. Ihnen allen und den mutigen Demonstrierenden im Gazastreifen gilt unsere uneingeschränkte Solidarität.